5 nach 12. Oder warum wir nicht bremsen können
Ein Kunstprojekt von islandrabe
Dass die Uhren überall gleich ticken, ist eine junge Erfindung: ein Zugeständnis an die Beschleunigung und die Vernetzung der Welt um 1900. Die damals eingeführte Standardzeit sollte Arbeit, freie Zeit und Verkehr ordnen und gibt heute den Rhythmus für nahezu jeden Bereich unseres Lebens vor. Der Frage, wie wir selbst im Takt der Zeit „funktionieren“, ging im Herbst 2023 das Kunstprojekt „5 nach 12“ von islandrabe nach. Was hält uns davon ab, zu bremsen oder gar anzuhalten? Und was gewinnen wir, wenn wir die Zeit verlieren?
Als sichtbares Zeichen stand die Zeit am 18. Oktober 2023 zwölf Stunden lang still. Von 0:05 bis 12:05 wurden zahlreiche Uhren an öffentlichen Plätzen in Tirol angehalten: am Stadtturm und an Kirchentürmen in Innsbruck und Schwaz, in der Gemeinde Sautens, auf dem Gebäude der Innsbrucker Kommunalbetriebe und in der Auslage eines Uhrengeschäfts. Zugleich und in den Wochen davor bot „5 nach 12“ weitere Möglichkeiten, in die Zeit einzutauchen: mit Gewinnspielen (in Sautens und Schwaz), Stadtspaziergängen und einer Reihe von Hörstücken. Zeit ließ sich dabei einfach gewinnen – nicht im Sinn einer Zeitersparnis, sondern als überraschende, angenehme Erfahrung von Zeitlosigkeit.
„5 nach 12“ wurde darüber hinaus auch an weiteren Orten umgesetzt. So sorgte es im Frühjahr 2024 für stillstehende öffentliche Uhren im Zentrum der Stadt Bozen. Diese Aktion fand im Rahmen der durch das Amt für Statistik und Zeiten der Stadt organisierten „Time Week“ statt. Einen Eindruck bietet die Dokumentation auf gemeinde.bozen.bz.it. Im Mai des selben Jahres war das Werk im Bschlaber Tal auf Einladung des Festivals medienfrische zu Gast. Die einzige öffentliche Uhr des Tales, jene der Wallfahrtskirche „Maria Schnee“, stand für mehrere Tage still. Dazu ein Einblick unter medienfrische.com.